Vorsorgeuntersuchung bei Papageien

Tierärztliche Vorsorge für Papageien

VORSORGEUNTERSUCHUNG
Beitrag von Dr. Heike Reball

Leider sehen Vogeltierärzte regelmäßig todkranke Papageien, bei denen jede Hilfe zu spät kommt. Das ist sehr tragisch sowohl für den Papageienbesitzer als auch für den Papageientierarzt. Die Verantwortung eines Tierhalters erstreckt sich nicht nur auf die ausreichende Versorgung mit Nahrung und artgerechte Unterbringung, sondern schließt die Fürsorgepflicht in Bezug auf die Gesunderhaltung mit ein. Vorsorge ist damit auch ein essentieller Bestandteil der zeitgemäßen Papageienhaltung.

Was versteht man unter Vorsorgeuntersuchung?

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Vorsorgeuntersuchung: Dr. Heike Reball und Dr. Gerd Britsch
Vorsorgeuntersuchung: Dr. Heike Reball und Dr. Gerd Britsch[/caption]Vorsorge beinhaltet die zwei großen Teilgebiete Gesundheitsvorsorge und Infektionsprophylaxe. Prophylaxe ist das lateinische Wort für Vorbeugung. Die Infektionsprophylaxe dient dem Erkennen wichtiger Infektionserkrankungen. Bei der regelmäßigen Gesundheitsvorsorge können Hinweise auf chronische Erkrankungen frühzeitig erkannt werden. Hierzu zählen Leber- oder Nierenschwächen, aber auch Herz-Kreislauferkrankungen und chronische Bewegungsstörungen der Gelenke. Diese entwickeln sich generell schleichend. Papagei und Sittich gehören in der freien Natur zur Gruppe der Beutetiere. Das ist ein Grund warum sie erst sehr spät im Verlauf einer Erkrankung und dann meist nur sehr schwache Symptome zeigen. Ein krank aussehender Vogel würde schneller von einem Beutegreifer als potentielles leichtes Opfer ausgewählt werden. Außerdem stellt ein erkranktes Tier eine (Infektions-)Gefahr für den Rest des Schwarms dar. Es besteht das Risiko, zurückgelassen zu werden.

Was beinhaltet eine Infektionsprophylaxe?

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Vorsorgeuntersuchung: Dr. Heike Reball und Dr. Gerd Britsch
Die Infektionsprophylaxe ist besonders wichtig bei Neuzugängen im Rahmen von Vergesellschaftungsvorhaben oder Neuerwerbungen. Die Art der empfohlenen Untersuchungen richtet sich nach der aktuellen Beurteilung über die Verbreitung und Bedeutung von Infektionserkrankungen in der hiesigen Papageienpopulation. Solche Empfehlungen können sich im Laufe der Zeit ändern. Das liegt meist daran, dass neue Erkenntnisse über die Krankheiten vorliegen. Eine Untersuchungsart bei der die Erbsubstanz (DNS oder RNS) von Erregern nachgewiesen wird, heißt PCR-Untersuchung (engl. Polymerase chain reaction). Eine andere Methode ist die serologische Untersuchung, bei der Antikörper nachgewiesen werden, die vom Organismus als Schutz gegen eine Infektion gebildet wurden. Unten ist ein Untersuchungsschema vom sogenannten „5-Fach-Test“ aufgeführt. Wenn besondere Umstände vorliegen, muss manchmal von diesem starren Schema abgewichen werden.

Der „5-Fach-Test“
• Aviäres Bornavirus (PCR und Serologie) Untersuchungsmaterial: Rachen- und Kloakenabstrich, Blut
• Psittaziden Circovirus (PCR) Untersuchungsmaterial: Federn, Blut
• Aviäres Polyomavirus (PCR) Untersuchungsmaterial: Federn, Blut
• Psittaziden Herpesvirus (Serologie) Untersuchungsmaterial: Blut
• Chlamydia psittaci (PCR): Untersuchungsmaterial: Bindehaut-, Rachen- und Kloakenabstrich, Blut.

Zusätzlich empfiehlt sich, bei Neuzukäufen, Freifliegern und Vögeln mit Außenvoliere die parasitologische Untersuchung einer Kotprobe ein- bis zweimal pro Jahr durchführen zu lassen. Anders als bei Hund und Katze raten wir Vogelmediziner zu einer Parasitenbehandlung erst dann, wenn der Parasitennachweis erfolgt ist und die Therapie zielgerichtet durchgeführt werden kann. Ich vertrete die Meinung, dass alle Erkrankungen, die bei dem geplanten Vergesellschaftungstier ausgeschlossen werden, auch bei den eigenen Vögeln abgeklärt sein müssen. Deshalb gleich einmal überprüfen, welche der oben genannten Untersuchungen Ihre Vögel vorweisen können.

Was gehört zur Gesundheitsvorsorge?

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Vorsorgeuntersuchung: Dr. Heike Reball und Dr. Gerd Britsch
Die Gesundheitsvorsorge dient der langjährigen Gesunderhaltung des Papageien. Neben der Beurteilung des Gesundheitszustandes durch die Allgemeinuntersuchung des Tierarztes können Sie Ihre Fragen zu Ernährung, Haltung und Verhalten anbringen. Ein konkreter Untersuchungsplan wird erstellt. Gängige Untersuchungsverfahren in der Vogelmedizin sind Blutuntersuchungen mit Blutbildbeurteilung sowie Organprofile zur Funktionsbeurteilung der inneren Organe, mikrobiologische Untersuchungen zum Nachweis krankmachender Bakterien und Schimmelpilze, Röntgenuntersuchungen, beispielsweise bei Veränderungen des Bewegungsapparates, Größen- und Dichteveränderungen von inneren Organen oder Fremdkörperverdacht, endoskopische Untersuchungen zur direkten Besichtigung von inneren Organen, Ultraschalluntersuchungen zur Erkennung von Flüssigkeitsansammlungen, zystischen Veränderungen und Charakterisierung von Herzerkrankungen u.v.m..

Wie häufig sind diese Untersuchungen notwendig?

Die Infektionsprophylaxe sollte einmalig beim Erwerb des Vogels oder bereits vom Vorbesitzer durchgeführt werden. Eine Wiederholung ist immer dann nötig, wenn der Vogel Kontakt zu ungetesteten Vögeln hatte. Bei Freifliegern ist eine jährliche Untersuchung auf Chlamydien sowie Außen- und Innenparasiten sinnvoll. Die Gesundheitsvorsorge sollte einmal pro Jahr erfolgen. Hierbei werden alle Untersuchungen durchgeführt, die für den Patienten unter Berücksichtigung der Papageienart, des Geschlechts und des Lebensabschnittes sinnvoll sind. Eventuelle Vorerkrankungen und die letzten Untersuchungsergebnisse werden berücksichtigt. Die Untersuchungsergebnisse zu den Infektionserkrankungen sollten in schriftlicher Form ausgehändigt werden. Auch Gesundheitspässe haben sich bewährt.

In ihnen werden alle vorgenommenen Untersuchungen in Kurzform dokumentiert. Das ist praktisch, wenn zum Beispiel ein Wohnortwechsel ansteht. Der neue Vogeltierarzt vor Ort ist sofort informiert, wer die Betreuung Ihres Papageien bisher durchgeführt hat und welche Untersuchungen bereits erforderlich waren.

Vogeltierärzte sind untereinander sehr gut vernetzt und arbeiten stets Hand in Hand. Alle Detailinformationen zur Patientenhistorie können direkt an den weiterbehandelnden Kollegen/in weitergegeben werden.

Diese Vorsorgeuntersuchung war eine Zusammenarbeit von Frau Dr. Heike Reball, Tierarztpraxis in Unterhaching und Herrn Dr. Gerd Britsch, Tierarztpraxis in Karlsruhe. Weitere Informationen erhalten Sie in den Tierarztpraxen:

Tierärztliche Fachpraxis für Vögel & Exoten
Dr. med. vet. Heike Reball
Inselkammerstraße 1
82008 Unterhaching/Landkreis München
Telefon: 089 61208805
www.vogeltierarzt-reball.de

Vogel- und Reptilienpraxis
Dr. Gerd Britsch
Am Storrenacker 1B
76139 Karlsruhe
Telefon: 0721 6184280
www.vogel-und-reptilien-tierarzt.de

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