“Vogelassoziierte Zoonosen” – Teil 1

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– Stichwort “vogelassoziierte Zoonosen” – Teil 1

von Dr. Annett-Carolin Häbich, Wien

Unter dem Oberbegriff Zoonosen subsummiert man Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen (syn. Zooanthroponosen) bzw. dem Menschen auf das Tier (syn. Anthropozoonosen) übertragen werden können. Üblicherweise finden die Zooanthroponosen größere Beachtung in der Tierhaltung. Bei Vögeln können diverse Krankheiten benannt werden, deren auslösende Erreger Bakterien (u.a. Chlamydien, Mykobakterien, Salmonellen, Campylobacter, Yersininen, E. coli, Listerien), Viren (u.a. Influenza-A-Viren, Westnile-Virus), Pilze (u.a. Kryptokokken, Histoplasmen) oder Parasiten (u.a. Taubenzecken, rote Vogelmilbe) sein können.

Wie erfolgt die Übertragung auf den Menschen?

Die Übertragung dieser Erkrankungen kann auf direktem Wege über „Tröpfchen“ also aerogen (z.B. Influenza-Viren, Chlamydien), als „Schmierinfektion“ über Kot & Harn (z.B. Chlamydien, Mykobakterien) oder einen Biss erfolgen; letztgenannter Übertragungsweg spielt bei Vögeln jedoch keine wesentliche Rolle, da diese sich zwar grundsätzlich experimentell mit Tollwut infizieren lassen, bislang jedoch keine einzige natürliche Infektion eines Vogels nachgewiesen werden konnte. Gleichfalls kann die Übertragung von Krankheiten auf indirektem Weg erfolgen. Bei der Reinigung von Tierstallungen kann es zur Aerosolbildung von „kontaminiertem Spülwasser“ kommen (Stichwort: „Kärchern“!); gleichfalls ist auch die „Verschleppung über kontaminiertes Spülwasser“ bei gemeinsamer Reinigung von Tiernäpfen & Geschirr für den Humangebrauch (Spülmaschine! Putzschwamm!) denkbar. Daneben werden sog. „Vector-Borne Disease“ wie Westnile über blutsaugende Mücken weitergetragen.

Wie gefährlich sind unterschiedliche Krankheitserreger?

Um nun die Gefährlichkeit diverser Zooanthroponosen besser einschätzen zu können, kann man bspw. einen Blick in die österreichische „Verordnung biologische Arbeitsstoffe“ werfen, denn dort werden entsprechende Biostoffe (zu denen auch klassische Krankheitserreger zählen) in Risikogruppen eingeteilt. So subsummiert Risikogruppe 2: „Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können […]; deren Verbreitung in der Bevölkerung unwahrscheinlich ist und bei denen eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung normalerweise möglich ist. Demgegenüber finden sich in Risikogruppe 3 „Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen […]; bei denen die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung bestehen kann, die jedoch normalerweise mittels wirksamer Vorbeugung verhindert bzw. entsprechender Behandlung geheilt werden können“. In Gruppe 2 fallen bspw. Salmonellen und Mycobacterium avium; in Gruppe 3 Chlamydophila psittaci und das Westnile-Virus.

Sind alle Vögel gleich empfänglich für die einzelnen Erkrankungen?

Da Vogel nicht gleich Vogel ist (je nach Zählweise kommt man auf wenigstens 11.000 Arten), muss klar sein, dass nicht alle Arten (oder allgemeiner Ordnungen) gleich anfällig für einzelne Erkrankungen sind; zudem spielen auch die Ernährungsweise der einzelnen Arten (Fleisch und Fisch konsumierende Vögel sind naturgemäß exponierter gegenüber der Aufnahme von Salmonellen und Campylobacter) und das bestehende Haltungskonzept („Massenhaltung“ fördert die Verbreitung von Erregern; „Freilandhaltung“ erhöht die Kontaktmöglichkeiten mit Wildvögeln und Stechmücken) eine Rolle bei der Verbreitung von Krankheiten.

Welche Zooanthroponoseerreger sind in der praxisüblichen Haltung von Papageien & Sittichen als relevant zu sehen?

Unter Berücksichtigung aller oben genannten Aspekte kann die Zahl der wirklich in der Haltung von Papageien und Sittichen als relevant einzustufenden Zooanthroponoseerreger auf eine sehr übersichtliche Zahl begrenzt werden. Und auch innerhalb dieser wirklich sehr kleinen, übersichtlichen Gruppe geht unter praxisüblichen, „hausverstandslastigen“ Haltungen nur von Chlamydophila psittaci eine wirkliche Gefahr für den immunkompetenten Menschen aus. Aus diesem Grund war die Psittakose (so nennt sich eine Infektion mit Chlamydophila psittaci beim Papageien & Sittich) lange Zeit in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche (mit entsprechend scharfen rechtlichen Regelungen) und ist dies in Österreich weiterhin.

Im Hinblick auf die Mykobakterien spielen bei unseren Papageien die sog. Nichttuberkulösen Mykobakterien NTM (früher MOTT) und hier wiederum M. avium spp. avium und das opportunistische M. genavense eine gewisse Rolle. Vom bei Papageien und Sittichen oftmals isolierten M. genavense geht für den Menschen eine vernachlässigbare Gefahr aus; ist die Immunkompetenz des Vogelhalters gegeben, so gilt M. avium als gleichfalls „unproblematisch“. Demgegenüber sollten immundefiziente Halter sich gründlich überlegen, ob bzw. inwieweit die Haltung des betroffenen Vogels so modifiziert werden kann, dass die Gefahr der Übertragung auf ein vertretbares Mindestmaß gedrückt werden kann.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch das Westnile-Virus erwähnt, da es zu der sog. Risikogruppe 3 (s.o.) zählt. Grundsätzlich sind diverse Papageienarten (u.a. Keas) für eine Infektion mit diesem Virus empfänglich; dennoch ist derzeit die Verbreitung des Erregers sowohl in Österreich als auch in Deutschland als wirklich sehr gering anzusehen, woraus ein vernachlässigbarer Infektionsdruck auf unsere Heimvögel resultiert.

Und was ist mit Corona?

Nun ja, wie heißt es so schön: „Nichts Genaues weiß man nicht“. Trotzdem soll an dieser Stelle eine aktuelle Information des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) vom 02.04.2020 weitergegeben werden. Im Zuge der Einschätzung einer möglichen Gefahr einer Weitergabe von SARS-CoV-2 über die Lebensmittelkette hatte das FLI u.a. Hühner auf ihre Empfänglichkeit für SARS-CoV-2 getestet. Unter den gewählten Versuchsbedingungen erwiesen sich Hühner als unempfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2, d.h. sie stellen nach jetzigem Kenntnisstand kein potentielles Risiko für den Menschen dar.

Was erwartet uns in Teil 2 des Artikels?

In der kommenden PapageienUmschau werden wir die wichtigsten Zooanthroponosen der Papageien & Sittiche näher beleuchten; denn folgende Fragen gilt es noch zu beantworten: (1) Gibt es Papageien-Arten, die „eher“ betroffen sind?; (2) Welche klinischen Symptome erwarten wir bei den Vögeln?; (3) Gibt es (symptomfreie) Dauerausscheider?; (4) Wie erfolgt die Übertragung auf den Menschen?; (5) Wie hoch ist das Gefährdungspotential beim Handling eines Vogels?; (6) Wie kann ich mich gezielt schützen?; (7) Wie erlange ich Sicherheit darüber, dass mein Papagei bzw. Sittich gesund ist?

Literatur

Verordnung biologische Arbeitsstoffe – VbA (Verordnung der Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales über den Schutz der Arbeitnehmer/ innen gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe) in der Fassung vom 26.10.2018

Homepage des Friedrich- Loeffler-Instituts (abgerufen 05.04.2020)

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/coronavirus/

Dr. vet. med. Annett-Carolin Häbich
– praktische Tierärztin

A-1110 Wien – Enkplatz 6-7

(+43) 0699 181 193 11

www.tierarztpraxis-haebich-in-1110-wien.at

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