Herzensangelegenheit von Dr. Heike Reball

Dr. Heike Reball

Herzensangelegenheit

Nicht selten werden Papageien mit unspezifischer Atemsymptomatik vorgestellt. Häufig wird sofort eine Schimmelpilzerkrankung durch Aspergillus vermutet und dagegen therapiert. Manchmal mit wenig Erfolg und Nachhaltigkeit. Jedoch wenn ein Papagei in die Jahre kommt – ab 15 Jahre aufwärts – sollte eine Herz- oder Kreislauferkrankung in Betracht gezogen werden. Ein krankes Herz hat eine schlechte Pumpleistung und kann die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Im Extremfall schafft es so ein Herz nicht mehr, das sauerstofftragende Blut bis an die äußersten Körpergrenzen zu pumpen. Es kommt zu Ausfallerscheinungen, wie Lähmung von Gliedmaßen, Kopfschiefhaltung, Bewusstseinsstörung, erweiterten Pupillen, Atemnot bis hin zum Schock. Doch diese dramatischen Symptome werden erst im fortgeschrittenen Stadium einer Herzerkrankung beobachtet. Lange vorher kommt es zu Konditionsschwäche, längeren Ruhephasen, Flug- und Bewegungsunlust. Der Papagei zeigt bei Aktivität manchmal eine forcierte Atmung und „pumpt wie ein Maikäfer“, beruhigt sich nach einiger Zeit jedoch wieder. Da sich die Symptome schleichend über einen längeren Zeitraum einstellen, werden sie häufig erst sehr spät wahrgenommen oder als normales Altern des Vogels (fehl)interpretiert.

Erkrankungen

Es gibt verschiedene Erkrankungsarten des Herzens (Cardiopathien): Herzmuskelerkrankungen, Klappenfehler und Reizleitungsstörungen des Herzens und Kombinationen daraus. Störungen des Herzmuskels, so genannte Cardiomyopathien, gehen immer mit einer Vergrößerung des Herzens einher. Bei der häufigen Dilatativen Cardiomyopathie (DCM) kommt es durch die Abnahme der Wandstärke zur Erweiterung des Herzens. Die Kontraktionskraft verringert sich und damit die Leistungsfähigkeit.

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Bei der DCM ist die Herzwand schmaler und schlaffer als normal und dadurch das Innenvolumen erweitert. Häufig schließen die Herzklappen nicht mehr dicht. Das Herz schlägt sehr schnell (Tachykardie) und hat wenig Kraft. Das Blut verwirbelt sich und fließt über undichte Klappen kurzzeitig in die falsche Richtung.


Die seltenere Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) zeigt sich ebenfalls in der Vergrößerung des Herzens, die hier auf einer Zunahme der Herzmuskelwand beruht. Die Wandstärke nimmt zu, so dass sich das Innenvolumen des Herzens verringert. Die Auswurfleistung ist dadurch begrenzt und führt zu Leistungseinbußen in der Herzarbeit.

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Bei der HCM ist die Herzwand dicker als normal und das Innenvolumen dadurch verengt. Der überlastete Herzmuskel verfestigt sich. Ihm fehlt der Raum für eine vollständige Herzkontraktion. Wegen der längeren Reizleitung kommt es zu langsamen (Bradycardi) Herzschlägen, manchmal fehlen einzelne Herzaktionen.


Bei Hunden sind diese beiden Erkrankungsformen erblich und rassebedingt. Von den Erkrankungen der Herzklappen ist der fehlende Schluss der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz = MI), die Klappe zwischen linker Herzkammer und linkem Vorhof, beim Menschen und bei Hunden am häufigsten. Nach einer Entzündung des inneren Herzens (Endocarditis) kann es zu Veränderungen an den Klappen kommen. Die DCM begünstigt eine MI. Von Reizleitungsstörungen spricht man, wenn die Erregungsleitung im Herzmuskel, die gewöhnlich zu einer Kontraktion führt, unterbrochen wird und ein oder mehrere Herzschläge unvollständig sind oder ganz fehlen. Eine HCM geht häufig mit Reizleitungsstörungen einher.

Bei Vögeln liegen zu den Ursachen von Herzerkrankungen nur rudimentäre gesicherte Erkenntnisse vor. Bluthochdruck durch Arterienwandverkalkung könnte eine Rolle bei der Entstehung der DCM spielen. Wie auch beim Menschen wird der Einfluss von Fehlernährung beim Papagei als begünstigender Faktor für Gefäßwandveränderungen diskutiert. Die HCM wird auch beim Vogel selten festgestellt.

Beim Papagei kann eine Herzerkrankung im frühen Stadium durch regelmäßige Gesundheitsvorsorge erkannt werden. Bei der Auskultation wird der Patient mit einem Stethoskop abgehört. Herzfrequenz, Kraft der Herztöne und Nebengeräusche werden ermittelt. Bildgebende Verfahren, wie Ultraschall und Röntgen, zeigen Größenveränderungen der Herzkammern, Vorhöfe und der Wandstärke sowie Abweichungen der Flusseigenschaften des Blutes im Herzen und im Bereich der Herzklappen. Ein Elektrokardiogramm (EKG) stellt die elektrische Reizweiterleitung im Herzmuskel mit einer graphischen Kurve dar. Eine umfassende Blutuntersuchung gibt Informationen über die Entzündungssituation des Patienten. Bei einer Herzerkrankung fehlen in der Regel Entzündungsanzeichen, außer bei einer Herzentzündung (Endo-, Myo-, Perikarditis). Das Blut wäre bei einer Herzinsuffizienz tendenziell zu konzentriert, da häufig eine höhere Anzahl oder größere rote Blutzellen produziert werden, um das Sauerstoffdefizit zu kompensieren. Die Messung der Elektrolyte gibt manchmal Hinweise auf Mangelzustände z. B. bei Kalzium und Magnesium. Ein erhöhtes Kalium könnte auf einen akuten Herzmuskelschaden hindeuten.

Behandlung

Die Möglichkeiten zur Behandlung einer Herzerkrankung hängen von der Art der Herzerkrankung und dem Grad der Ausprägung ab. Bei der DCM und MI gibt es Medikamente für die bessere Aufnahmefähigkeit von Kalzium am Herzmuskel. Dadurch wird die Herzkontraktion gekräftigt. Andere Medikamente wirken leicht Blutdruck senkend und führen so zur Entlastung des geschwächten Herzens. Ebenso gibt es pflanzliche Präparate, die eine kräftigende Wirkung auf den Herzmuskel haben. Wenn sich durch die Herzerkrankung Flüssigkeit am Herzen oder in der Lunge angesammelt hat, benötigen Patienten zusätzlich regelmäßig Entwässerung. Bei stark konzentriertem Blut gibt es Medikamente, um die Fließeigenschaften des Blutes positiv zu beeinflussen.

Zum Schluss bleibt mir, Sie zu ermutigen, irgendwann mit Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Krummschnabel zu beginnen. Wir dürfen die kleinen Papageien wie Wellensittich & Co bei dieser Thematik nicht vergessen. Auch bei ihnen kommen in fortgeschrittenem Alter regelmäßig Herzerkrankungen vor. Auch sie leiden meist still ohne zu klagen. Auch ihnen kann oft geholfen werden, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird.

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