Der tut doch nix…

Der tut doch nix… dachte ich immer.

Der tut doch nix... erstellt in Photoshop
Der tut doch nix… erstellt in Photoshop
So oder so ähnlich könnte es klingen, wenn man manche Geschichten aus gut gemeinten drolligen Facebook-Bildern weiterspinnt.

Bilder und Videos von Papageien die mit Hund oder Katze spielen sind keine Seltenheit. Oberflächlich gesehen, erst einmal schön anzusehen. Aber genauer betrachtet, dreht sich mir persönlich der Magen dabei immer um. Angst habe ich dann nicht nur um den Vogel, oftmals auch um Hund oder Katze. So ein Ara-, oder Kakaduschnabel kann schon erheblichen Schaden anrichten und die eine oder andere Kralle eines Papageien durfte ich auch schon spüren. Wer will einem Hund verübeln, daß er (in unseren Augen) unangemessen reagiert, wenn ein Papageienschnabel oder eine Kralle ihn an empfindlicher Stelle erwischt?

Die Reaktion des jeweiligen Tieres hat wenig mit Erziehung zu tun, sondern mit Instinkt. Bestimmte Reize erzeugen nun mal eine Reaktion, Schmerz erzeugt eine Abwehrreaktion. Das kann in der Tat einfach ein Weggehen oder Wegdrehen sein. Im schlimmsten Falle ist es aber ein Schlagen mit der Pfote, ein Kratzen oder ein Biss. Oftmals endet dies für den Vogel tödlich oder mit lebenslangen Behinderungen. Das alles für ein paar Fotolikes auf Facebook?

Abgesehen von den möglichen Luxationen, Rupturen oder Frakturen im doch eher filigranen Vogelskelett (oder dem sofortigen Tod), gibt es noch einen ganzen Teil anderer Gefahren, denen sich viele Halter offensichtlich nicht bewusst sind. Nicht selten ist eine Sepsis, was nicht verwunderlich ist. Wie Hund und Katze sich reinigen, muß man wohl nicht erklären. Wie die Keimflora im und um’s Maul des jeweiligen Tieres wahrscheinlich aussieht kann man sich dann gut vorstellen. Beim menschlichen Speichel verhält sich das nicht viel anders, trotz intensiver Mundpflege, weshalb ich persönlich auch kein Freund von Vogelküssen oder (Menschen) Mund zu (Vogel) Mund Fütterung bin, das nur ganz am Rande erwähnt.

Das Maß an pathogenen (also den Vogel krankmachenden) Keimen ist beachtlich und die davon ausgehenden Gefahren sind nicht zu unterschätzen. Natürlich hat auch ein Vogel ein Immunsystem das ihn vor den „üblichen“ Keinem schützen sollte, doch was ist „üblich“?

Das Immunsystem leidet oder schwächelt oftmals schon dann, wenn der Vogel Stress ausgesetzt ist. Die Definition von Stress ist dahingehend ganz einfach. Große Vogelbestände, fehlende Ruhe, falscher Partner, ungünstige Lichtphasen, ja sogar die Mauser oder eine Woche Halterurlaub können schon Stress für einen Papagei bedeuten. Jetzt den Vogel mit einem erhöhten Maß an Keimen zu „beschießen“ ist eine Wanderung auf einem ganz schmalen Grat.

Es soll keine Panik vor Speichel verbreitet werden, wir wollen nur auf evtl. Gefahren hinweisen. Dazu gehört auch die Mahnung, daß sich viele Erreger nicht nur im Speichel, sondern z.B. auch in Nasen- und Augensekreten befinden. Aber auch an den Händen, denn genau da kleben sie dann oft nach dem Augenreiben, etc. Kombiniert mit der Keimsammlung von Rolltreppen, Geldautomaten/EC-Geräten in Geschäften, Geldscheinen, usw. kommt da über den Tag einiges zusammen, was zum Krankmachen locker reicht.

Die entsprechend notwendige Handhygiene ist für uns selbstverständlich. Warum ist es dann NICHT selbstverständlich, das Risiko „Vogel spielt mit Hund oder Katze“ auszuschließen?

Ich bin selber Papageien- und Hundehalter, aber ich käme nie auf die Idee sie miteinander spielen zu lassen. Selbst der Indoorfreiflug geschieht nur dann, wenn Vögel und Hunde nicht aufeinandertreffen können. Denn ich möchte später nicht einmal sagen müssen: „Der tut doch nix… dachte ich immer.“

Anmerkung der Redaktion:
Um das noch einmal ganz deutlich zu machen, wurden uns Bilder und die Geschichte dazu zur Verfügung gestellt. Bitte nehmt das nicht auf die leichte Schulter. Wie viele Vögel das schon mit dem Leben bezahlen mußten, wird aus Scham und Angst vor berechtigter Kritik verschwiegen. Stellt Euch bitte alle die Frage: „Wie finde ich raus, dass mein Hund Vögel nicht als Leckerbissen betrachtet? Ich habe die Frage für mich beantwortet: Am besten gar nicht!

Hundebiss
Hundebiss

DER ALPTRAUM:

Mein kleiner lieber Hund war anfangs immer mit meinem Graupapagei „Professor“ zusammen, aber ich denke, er wurde immer eifersüchtiger und ich habe es nicht so registriert. Wir waren in der Küche, Professor ist ein Fussgänger er saß auf dem Boden und Scarlett auch. Ich machte die Schulbrote für die Kids und hatte beide schon im Auge aber das ging so schnell…
Der Kopf vom Grauen im Maul des kleinen Hundes und er wollte nicht loslassen. Das war so schlimm!

Professor blieb einen Tag in der Klinik und es war nicht klar ob er den Schock überleben würde, aber er hat es geschafft und ist wieder fit. Auf einem Auge sieht er fast nichts mehr. Seit ein paar Monaten machen wir Flugtraining und er fliegt von meiner Hand in der Küche täglich eine Ministrecke. Ich habe es damals gepostet, damit anderen das nicht passiert. Ich wurde angegriffen, und das zurecht. Ich bin der Mensch und habe falsch gehandelt, weil ich dachte, mein Hund sei so lieb und nett. Ich wurde eines besseren belehrt! Vögel wecken nun einmal den Jagdtrieb, den jeder Hund besitzt.

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